len | Betriebssicherheitspraxis.de - 25.04.2019

Sicherheitsbeauftragte haben eine Schlüsselfunktion im Arbeitsschutz. Doch wie verhält es sich hier mit der Aus- und Weiterbildung? Wie und wo muss man sich auf dem Laufenden halten? In unserem Beitrag erfahren Sie mehr.

Welche Qualifikation benötigen Sicherheitsbeauftragte?

Sicherheitsbeauftragte, kurz Sibe, sind ein Bindeglied zwischen den Vorgesetzten und den Beschäftigten, zu denen sie auch selbst gehören. Sie übernehmen ihre Aufgaben zusätzlich und freiwillig zu ihren sonstigen Funktionen. Ihre Rolle ist also mit der von ehrenamtlichen Helfern vergleichbar.

Dennoch setzen die Aufgaben der Sicherheitsbeauftragten voraus, dass sie sich fachlich mit dem Thema Arbeitsschutz auseinandersetzen – und zwar bezogen auf ihren Zuständigkeitsbereich. Die Kenntnis der Gefährdungsbeurteilung ist dabei eine Grundvoraussetzung.

Wo finde ich hierzu Rechtsgrundlagen und Handlungshilfen?

Rechtliche Vorgaben bzw. Hinweise für die Bestellung und Aufgaben von Sicherheitsbeauftragten finden sich in

  • Siebtes Buch Sozialgesetzbuch (SGB VII), § 22
  • DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“, § 20
  • DGUV Regel 100-001, Punkt 4.2 (enthält konkrete Erläuterungen zu den einzelnen Paragraphen der DGUV Vorschrift 1)
  • DGUV Information 211-042 „Sicherheitsbeauftragte“ (Diese DGUV Information ersetzt insgesamt sechs ältere DGUV Informationen, in denen zuvor jeweils Teilaspekte der Aufgaben von Sibe thematisiert wurden.)

Wie können Sicherheitsbeauftragte sich qualifizieren?

Der Unternehmer bzw. Arbeitgeber muss Sicherheitsbeauftragten ermöglichen „an Aus- und Fortbildungsmaßnahmen der Berufsgenossenschaft teilzunehmen, soweit dies im Hinblick auf die Betriebsart und die damit für die Versicherten verbundenen Unfall- und Gesundheitsgefahren sowie unter Berücksichtigung betrieblicher Belange erforderlich ist“. So verlangt es die DGUV Vorschrift 1 in § 20 Abs. 6.

Außerdem müssen Sibe die Gelegenheit erhalten, an den Betriebsbesichtigungen sowie den Untersuchungen von Unfällen und Berufskrankheiten durch die Aufsichtspersonen der Unfallversicherungsträger teilzunehmen und über die dabei erzielten Ergebnisse informiert werden (gemäß DGUV Vorschrift 1, § 20 Abs. 3).

Wie müssen Sicherheitsbeauftragte informiert werden?

Deutlich konkreter wird die DGUV Regel 100-001 (in Punkt 4.2.6). Damit Sicherheitsbeauftragte ihre Aufgaben wahrnehmen können, müssen sie demnach regelmäßig informiert werden durch

  • die Betriebsleitung
  • die zuständige Fachkraft für Arbeitssicherheit
  • den Betriebsarzt

Diese Informationen umfassen allgemeine Aspekte des Arbeitsschutzes, die entsprechend der jeweiligen betrieblichen Situation zu berücksichtigen sind.

Müssen sich Sicherheitsbeauftragte regelmäßig neu qualifizieren?

Laut der DGUV Regel 100-001 benötigen Sicherheitsbeauftragte außerdem „eine Ausbildung und auch eine regelmäßige Weiterbildung, die von der Berufsgenossenschaft angeboten wird.“ Klargestellt wird an der Stelle außerdem, dass der Sicherheitsbeauftragte „ohne die Kenntnisse, die er dort erwirbt, seine Aufgabe nicht sachgerecht und vollständig erfüllen“ kann.

Inwieweit sind fachspezifische Kenntnisse nötig?

Sicherheitsbeauftragte benötigen auch eine fachliche Nähe zu den jeweiligen Beschäftigten. Diese ist z. B. gegeben, wenn „die Sicherheitsbeauftragten und die Beschäftigten dauerhaft gleiche oder ähnliche Tätigkeiten ausüben.“ So definiert es ebenfalls die DGUV Regel 100-001. Fachliche Nähe umfasst demnach auch die Kenntnis der Mitarbeiterstruktur im Zuständigkeitsbereich (v. a. bezüglich Qualifizierung und Sprache).

Welche Fristen sind zu berücksichtigen?

Wie oft Sicherheitsbeauftragte sich weiterbilden müssen, ist rechtlich nicht eindeutig definiert. Es hängt unter anderem auch ab vom Umfang und der Intensität der Ausbildung sowie dem jeweiligen Gefährdungspotenzial im Betrieb. Etwas deutlicher wird die DGUV Information 211-042 „Sicherheitsbeauftragte“ (in Kap. 2.5). Demnach ist eine Auffrischung oder Ergänzung „spätestens 3 bis 5 Jahre nach der Ausbildung zielführend“. Sie kann durch eine interne oder externe Fortbildung erfolgen.

Welche Fortbildungen sind geeignet?

Ausbildungen und Weiter- bzw. Fortbildungen für Sicherheitsbeauftragte werden u. a. bei der DGUV angeboten unter www.dguv.de > Qualifizierung > Bildungsanbieter. Außerdem gibt es private Anbieter in diesem Bereich. Vorsorglich sollten die Bildungsmaßnahmen dann mit dem Unfallversicherungsträger abgestimmt werden.

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Sicherheitsbeauftragte: So ermitteln Sie die erforderliche Anzahl für Ihren Betrieb!

Arbeitshilfen zum Thema:

Checkliste: document CL Aufgaben von Sicherheitsbeauftragten (37 KB)

Vorlage: document Bestellung eines Sicherheitsbeauftragten (135 KB)