gan | Betriebssicherheitspraxis.de - 09.11.2018

Die BetrSichV gilt für die Verwendung von Arbeitsmitteln. Was in der Praxis oft vergessen wird: Auch im Büro sind zahlreiche Arbeitsmittel vorhanden und müssen den Vorgaben entsprechen, um die Sicherheit und den Schutz der Gesundheit der Beschäftigten bei der Verwendung zu gewährleisten.

BetrSichV als Rechtsgrundlage auch bei der Büroarbeit

Der sichere Einsatz von Arbeitsmitteln wird durch die Betriebssicherheitsverordnung geregelt. Vorrangig werden meist Werkzeuge, Maschinen bzw. Anlagen oder Geräte betrachtet – doch auch bei Bürotätigkeiten sind zahlreiche Arbeitsmittel in Verwendung.

Da alle Arbeitsmittel einer Gefährdungsbeurteilung unterzogen werden müssen, bevor Sie den Beschäftigten zur Verfügung gestellt werden, sollten Sie auch in den Büroräumen Ihres Betriebs auf die Vorgaben der BetrSichV achten.

Bestandsaufnahme und Gefährdungsbeurteilung

Zu den Arbeitsmitteln gehört bei der Büroarbeit demnach alles, das zur Verrichtung der Arbeit verwendet wird, also z. B. die Computer, Drucker und Tastaturen, die Büromöbel (Arbeitstische, Bürostühle, Regale und Schränke etc.) bis hin zu den elektrischen Geräten oder vermeintlich einfachen Gegenständen wie Cutter, Schere oder Klammerhefter und anderes Büromaterial. Auch Transportmittel wie Transportwagen sowie Leitern fallen hierunter.

Um die Vorgaben der Betriebssicherheitsverordnung einzuhalten muss vor der erstmaligen Verwendung durch die Beschäftigten eine Gefährdungsbeurteilung durchgeführt werden. Unterschieden werden hier der arbeitsbereichsbezogene, er tätigkeitsbezogene und der personenbezogene Ansatz.

Wenn Arbeitsmittel gleichartig verwendet werden, kann die Gefährdungsbeurteilung nach TRBS 1111 auch zusammengefasst werden. Dies gilt auch für Arbeitsmittel, die zwar mehrteilig sind, jedoch als Gebrauchseinheit Verwendung finden, z. B. wie bei der Standardausstattung eines Büroarbeitsplatzes.

Immer aktuell, jedoch oft vernachlässigt: Ergonomie

Die ergonomische Gestaltung von Arbeitsmitteln ist auch im Büro unerlässlich und nach § 3 BetrSichV bei der Beurteilung der Gebrauchstauglichkeit von Arbeitsmitteln zu betrachten. Bei der Büroeinrichtung muss auf ausreichend Bewegungsraum geachtet werden, anpassbare bzw. größenverstellbare Arbeitsmittel garantieren eine korrekte Arbeitshaltung und sichere Befestigungen der Büromöbel verhindern Unfälle und mindern die Verletzungsgefahr.

Die Arbeitsgeräte selbst müssen ergonomisch angeordnet sein; hier muss Flexibilität bestehen, damit Beschäftigte hier selbst die optimale Anordnung erstellen können. Häufiger Schwachpunkt sind die Bildschirmgeräte: Monitore müssen einerseits so eingestellt sein, dass Helligkeit, Kontrast und Auflösung die Augen nicht belasten, anderseits muss der Bildschirm auch von der Höhe her eine korrekte und gesundheitsförderliche Sitzhaltung ermöglichen.

Daneben müssen das Raumklima, Stolperfallen, Software-Ergonomie oder auch psychische Belastungen betrachtet werden, um wirklich alle für die Arbeitssicherheit und Gesundheit der Mitarbeiter wichtigen Bereiche abgedeckt zu haben.

Prüfung von Arbeitsmitteln im Büro

Wichtig ist es, nach TRBS 1201 zwischen technischen Prüfungen, die Fachpersonal erfordern, und Prüfungen, die durch den Benutzer durchgeführt werden können, zu unterscheiden. In der Technischen Regel finden Sie alle notwendigen Informationen zu den Prüfpflichten, -fristen und -personen und somit die Grundlage für ein Prüfbuch, das Sie individuell für Ihren Betrieb erstellen können.

Befragung und Beteiligung

Hilfreich und sinnvoll ist es, die Beschäftigten, die an den Büroarbeitsplätzen täglich arbeiten, miteinzubeziehen: Beteiligen Sie diese an den Schritten der Gefährdungsbeurteilung und fragen Sie nach möglichen Problemen bzw. Gefahrenquellen, die den Mitarbeitern aufgefallen sind. Gab es bereits gefährliche Situationen, die jedoch gerade noch gut ausgegangen sind? Sind bei der Büroarbeit in Ihrem Betrieb Unfälle zu verzeichnen gewesen? All dies kann wertvolle Hinweise für eine ausführliche Beurteilung der Arbeitsbedingungen geben. Weiterer Pluspunkt: Aktives Einbeziehen und Zuhören hilft bei der späteren Akzeptanz möglicher eingeführter Schutzmaßnahmen.

Dokumentation

Wie immer sollten Sie auch hier unbedingt alle durchgeführten Arbeitsschutzmaßnahmen und Gefährdungsbeurteilungen schriftlich dokumentieren, um im Schadensfall Rechtssicherheit und einen Nachweis für die korrekt durchgeführte Beurteilung zu haben. Im Detail sollten Sie Folgendes aufbewahren:

  • Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung
  • festgelegte Maßnahmen
  • Ergebnisse der Überprüfung der Maßnahmen

Arbeitshilfen zum Thema:

Checkliste: document CL BetrSichV im Büro (32 KB)

Vorlage: document Prüfbuch (345 KB)

Vorlage: document Gefährdungsbeurteilung für Arbeitsmittel (385 KB)