han | Betriebssicherheitspraxis.de - 21.02.2018

Laut DGUV zählt die Instandhaltung zu den gefährlichsten Tätigkeiten im Betrieb – hier passieren 21 % aller tödlichen Unfälle. Organisiert man jedoch die Instandhaltung konsequent und sicher, verringert sich die Unfallgefahr sichtlich.

Mechanische Gefährdungen vermeiden

Beinahe 45 % der Instandhaltungsunfälle mit tödlichem Ausgang sind Folge von Quetschungen an laufenden Maschinen: Beschäftigte schalten Maschinen bei Instandhaltungsmaßnahmen nicht aus oder treffen keine ausreichenden Schutzmaßnahmen.

Wenn Sie jedoch eine feste Vorgehensweise bei Instandhaltungsarbeiten einhalten, können viele Unfälle verhindert werden. Die Betriebssicherheitsverordnung gibt in § 10 Abs. 3 die Grundsätze für sichere Instandhaltungsarbeiten vor. Eine sichere Methode dafür ist die 4-Rang-Methode, die einen bereits zuverlässig erprobten Stand der Technik darstellt.

Die 4-Rang-Methode

Die Maßnahmen lassen sich in Abhängigkeit der durch sie erzielbaren Schutzwirkung in vier Ränge einteilen. Wenn bei Instandhaltungsmaßnahmen die vier Ränge konsequent eingehalten werden, leisten Sie einen wesentlichen Beitrag zur Sicherheit Ihrer Mitarbeiter. Ihre Aufgabe ist es, für die einzelnen Phasen der Instandhaltungsarbeiten festzulegen, welcher Rang an Schutzmaßnahmen jeweils nötig ist.

Die Rangfolge der Schutzmaßnahmen nach der Methode lautet wie folgt:

  • Rang 1: Instandhaltung, wenn keine Gefährdung vorhanden
  • Rang 2: Instandhaltung mit vorhandenen Schutzeinrichtungen
  • Rang 3: Instandhaltung mit zusätzlichen Schutzeinrichtungen
  • Rang 4: Instandhaltung mit besonderen Maßnahmen

Instandhaltungsarbeiten dürfen nur beginnen, wenn Gefährdungen ausgeschlossen sind

Der Rang 1  beschreibt einen Grundsatz, der eigentlich selbstverständlich sein sollte: Erst wenn alle Gefährdungen durch Bewegungen ausgeschlossen werden können, darf mit Instandhaltungsarbeiten begonnen werden.

Dies ist nur der Fall, wenn zum einen die Energieversorgung einer Maschine sicher unterbrochen ist und zum anderen ein Ingangkommen derselben infolge gespeicherter Energie verhindert worden ist. Auch weitere gefahrbringende Bewegungen sowie physikalische, biologische oder chemische Einwirkungen dürfen nicht vorliegen. Grundsätzlich muss außerdem jedes unbefugte, irrtümliche oder unerwartete Ingangsetzen ausgeschlossen werden können; durch Ausschalten sowie Abschließen des Hauptschalters sorgen Sie dafür, dass hier keine Gefahr droht.

Instandhaltungsarbeiten nur mit den zum Betrieb notwendigen Schutzeinrichtungen

Rang 2 betrifft den Fall, dass Sie eventuell Arbeitsabläufe zur Fehlersuche betrachten müssen. Dies darf jedoch ausschließlich dann erfolgen, wenn alle erforderlichen Schutzeinrichtungen montiert sind.

Dazu gehören trennende Schutzeinrichtungen (z. B. Verdeckungen oder Umzäunungen), ortsbindende Schutzeinrichtungen (z. B. Zweihandschaltungen) sowie Schutzeinrichtungen mit Annäherungsreaktion (z. B. Lichtschranken, Schaltmatten oder –leisten).

Zusätzliche Schutzeinrichtungen wenn Instandhaltungsarbeiten nur dann möglich sind

Im Fall, dass Instandhaltungsmaßnahmen unter den Vorgaben von Rang 1 und Rang 2 „unter keinen Umständen“ durchführbar sind, müssen Sie zusätzliche Schutzeinrichtungen verwenden. Hierunter fallen nicht Ausreden bezüglich zeitlichem Aufwand, z. B. für die Montage von Schutzeinrichtungen.

Mit dem Begriff der zusätzlichen Schutzeinrichtungen sind Einrichtungen gemeint, durch die das Eingreifen in die betreffende Gefahrstelle unnötig wird oder auch das zufällige Erreichen naheliegender Gefahrstellen erschwert wird. Auch können diese dazu dienen Geschwindigkeiten herabzusetzen oder ein schnelles Stillsetzen möglich zu machen.

Letzte Möglichkeit bei Ausnahmefällen

Rang 4 greift schließlich nur in den wenigen Ausnahmefällen, wenn die Anwendung der Schutzmaßnahmen nach Rang 1-3 nicht möglich ist (Beispiel: Messungen an Maschinen und Anlagen, bei denen beide Hände benötigt werden).

Instandhaltungsarbeiten und diesen Bedingungen dürfen nur durchgeführt werden, wenn geeignete organisatorische bzw. personelle Maßnahmen ergriffen werden; dazu gehört beispielsweise die Unterrichtung der betroffenen Beschäftigten über alle möglichen mit der Tätigkeit verbundenen Gefahren, genaue Regelungen für den Aufenthalt im Gefahrenbereich oder der Einsatz von beobachtenden Personen, die im Gefahrenfall umgehend geeignete Gegenmaßnahmen in die Wege leiten kann.

Checkliste Instandhaltung nach der 4-Rang-Methode

Betriebssicherheitspraxis stellt Ihnen mit der document Checkliste (36 KB) ein Hilfsmittel bereit, mit dem Sie die 4-Rang-Methode korrekt anwenden können, indem für jeden Rang abgefragt wird, ob alle notwendigen Schutzmaßnahmen getroffen wurden, um sichere Instandhaltungsarbeiten durchzuführen.

 

Ausführlichere Informationen mit Beispielen zur 4-Rang-Methode finden sich in der DGUV-Information 209-015.

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Instandhaltungen sorgfältig planen: 7 Maßnahmen für mehr Sicherheit

§ 10 Instandhaltung und Änderung von Arbeitsmitteln

Arbeitshilfen zum Thema:

Checkliste: document Massnahmen bei der Instandhaltung und Änderung von Arbeitsmitteln (368 KB)

Checkliste: document CL Instandhaltung 4 Rang Methode (36 KB)