han | Betriebssicherheitspraxis.de - 15.08.2017

Laut der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) wird ein Großteil der im Berufsalltag geschehenden tödlichen Arbeitsunfälle durch Absturz verursacht. Betriebssicherheitspraxis erläutert, wie Sie mit der richtigen Persönlichen Schutzausrüstung Gefährdungen vermeiden und Unfälle verhindern können!

Rechtliche Grundlagen im Bereich der Absturzsicherung

Wichtige Rechtsgrundlagen sind neben der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) und die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV). Für die Absturzsicherung in der BetrSichV haben Sie als Verantwortlicher vor allem folgende Paragraphen zu beachten:

- 3 Gefährdungsbeurteilung
- 4 Grundpflichten des Arbeitgebers
- 5 Anforderungen an die zur Verfügung gestellten Arbeitsmittel
- 6 Grundlegende Schutzmaßnahmen bei der Verwendung von Arbeitsmitteln
- 14 Prüfung von Arbeitsmitteln

Einordnung der Gesetze und Verordnungen durch Technisches Regelwerk

Darüber hinaus ist auch im Technischen Regelwerk der BAuA eine Vielzahl von Technischen Regeln betreffend Sicherungsmaßnahmen zur Prävention von Absturzunfällen veröffentlicht.
Zu nennen sind hier die ASR A2.1 Schutz vor Absturz und herabfallenden Gegeständen, Betreten von Gefahrenbereichen (zuletzt geändert im GMBl Nr. 22 vom 5. Juli 2017 S. 400) und die TRBS 2121 Gefährdung von Personen durch Absturz mit ihren vier Teilen zu Gerüstarbeiten, Leiterbenutzung, Zugangs- und Positionierungsverfahren unter Zuhilfenahme von Seilen sowie Hebevorrichtungen für Personen mit hierfür nicht vorgesehenen Arbeitsmitteln.

DIN-Normen zum Thema Absturzsicherung

Schließlich existiert eine große Anzahl an DIN-Normen, die zur Vorbeugung von Unfällen durch Absturz Standards vorgeben. Die Normen spezifizieren Anforderungen an Persönliche Schutzausrüstung und legen fest, wie verschiedene Absturzsicherungen verwendet werden müssen. Hierzu gehören beispielsweise:


DIN EN 341: Persönlicher Absturzschutz – Abseilgeräte zum Retten
- DIN EN 353-1: Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz – Teil 1: Mitlaufende Auffanggeräte einschließlich fester Führung
- DIN EN 353-2: Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz – Teil 2: Mitlaufende Auffanggeräte einschließlich beweglicher Führung
- DIN EN 354: Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz – Verbindungsmittel
- DIN EN 355: Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz – Falldämpfer
- DIN EN 358: Persönliche Schutzausrüstung für Haltefunktionen und zur Verhinderung von Abstürzen – Haltegurte und Verbindungsmittel   für Haltegurte
- DIN EN 360: Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz – Höhensicherungsgeräte
- DIN EN 361: Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz – Auffanggurte
- DIN EN 362: Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz – Verbindungselemente
- DIN EN 363: Persönliche Absturzschutzausrüstung – Persönliche Absturzschutzsysteme
- DIN EN 364: Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz – Prüfverfahren
- DIN EN 365: Persönliche Schutzausrüstung zum Schutz gegen Absturz – Allgemeine Anforderungen an Gebrauchsanleitungen, Wartung, regelmäßige Überprüfung, Instandsetzung, Kennzeichnung und Verpackung
- DIN EN 795: Schutz gegen Absturz – Anschlageinrichtungen – Anforderungen und Prüfverfahren

Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz

Für die korrekte Umsetzung Ihrer Pflichten sollten Sie auch die DGUV Regel 112-198 Benutzung von Persönlichen Schutzausrüstungen gegen Absturz berücksichtigen.

Hiernach schützt PSA gegen Absturz entweder durch Verhinderung eines Sturzes (Rückhaltesystem) oder aber durch Auffangen eines freie Falls (Auffangsystem). Sie besteht aus mehreren Bestandteilen, wobei wenigstens eine Körperhaltevorrichtung und ein Befestigungssystem vorhanden sein müssen, die mit einer zuverlässigen Verankerung verbunden werden können.

Korrekte Benutzung der PSA

Grundlegend ist, dass Sie Persönliche Schutzausrüstungen gegen Absturz stets für den jeweiligen Einsatzzweck auswählen; eine ausschließlich bestimmungsgemäße Benutzung ist vorgeschrieben. Beachten Sie hierzu auch die Gebrauchsanleitung des Herstellers!

Außerdem muss ein Aufprall von Mitarbeitern auf dem Boden oder ein Anprallen an festen Gegenständen weitmöglichst vermieden werden. PSA darf desweiteren keinen Einflüssen ausgesetzt werden, die ihren sicheren Zustand verändern könnte (z. B. Funkenflug oder Einwirkungen von aggressiven Stoffen).

Unzulässig ist eine Veränderung der vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellten Absturzsicherungssysteme; bei gleichzeitiger Benutzung mit weiterer PSA muss eine gegenseitige Beeinträchtigung der jeweiligen Schutzwirkung ausgeschlossen werden. Beschädigte PSA darf keinesfalls weiterverwendet werden, bevor ein Sachkundiger sie nicht für weitere Benutzung freigegeben hat.

Betriebsanweisung und Unterweisung als Arbeitgeberpflicht

Schließlich ist es in jedem Fall Ihre unbedingte Pflicht, für den Einsatz von PSA Betriebsanweisungen zu erstellen: Denken Sie dabei an alle für den sicheren Einsatz nötigen Angaben, wie Gefahren entsprechend der Gefährdungsbeurteilung und Anweisungen zum richtigen Umgang bei der Benutzung.

Die Inhalte der Betriebsanweisungen sind gemäß $4 der Unfallverhütungsvorschrift Grundsätze der Prävention im Rahmen von Unterweisungen an Ihre Mitarbeiter zu vermitteln. Themen sollten unbedingt sein:
- Besondere Anforderungen einzelner Ausrüstungen
- Bestimmungsgemäße Benutzung
- Korrektes Anschlagen
- Richtige Aufbewahrung
- Erkennen von Schäden und Handlungsempfehlung


Betriebssicherheitspraxis stellt Ihnen für den richtigen Umgang mit PSA eine Checkliste zur Prüfung von PSA gegen Absturz sowie ein Muster zur Dokumentation von PSA und Ihrer regelmäßigen Prüfung zur Verfügung.

Weitere Beiträge zum Thema:

PSA – drei Buchstaben für mehr Arbeitssicherheit

Arbeitshilfen zum Thema:

document Checkliste PSA gegen Absturz (234 KB)

document Mustervorlage Dokumentation PSA (116 KB)

document Ermittlung der Tragepflicht für PSA (316 KB)

document Nachweis Erhalt der PSA (118 KB)