han | Betriebssicherheitspraxis.de - 27.07.2017

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels steigt die Notwendigkeit, Arbeit alters- und alternsgerecht zu gestalten. Betriebssicherheitspraxis gibt Ihnen einen Überblick über die Bereiche, die Sie bei einer angemessenen Gestaltung von Arbeitsmitteln und -plätzen zu beachten haben.

Alters- versus alternsgerecht

Ein umfassendes Konzept zur Arbeitsgestaltung im Betrieb bezieht beide Seiten mit ein. Als altersgerecht wird eine Ausrichtung des Arbeitskonzeptes bezeichnet, das sich an den besonderen Fähigkeiten und Bedürfnissen der jeweiligen Altersgruppe orientiert. Alternsgerecht sind hingegen alle Maßnahmen, die jegliche Auswirkungen des Altersprozesses der Beschäftigten im Auge behalten.

Pflicht zur Schaffung alters- und alternsgerechter Arbeitsbedingungen

Um die Leistungs- und Arbeitsfähigkeit der Beschäftigten aller Altersklassen zu erhalten und zu fördern, ist die Schaffung passender Arbeitsbedingungen zum einennatürlich gesetzlich vorgeschrieben, zum anderen wirkt sie sich aber auch positiv auf die Arbeitszufriedenheit, Motivation oder auch die Fehlzeiten Ihrer Arbeitnehmer aus.


Zu den Bereichen, die Sie als Arbeitgeber auf ihre alters- bzw. alternsgerechte Gestaltung prüfen sollten, gehören u.a.:


- Arbeitsorganisation
- Qualifizierung Wissensmanagement
- Schichtbetrieb
- Unternehmenskultur
- Beleuchtung, Erkennbarkeit
- Lärm, Akustik
- Lastenhandhabung

 

Arbeitsorganisation

Hier sollte die generelle Leistungsfähigkeit des Mitarbeiters umfassend betrachtet werden, vor allem auch hinsichtlich einer möglichen altersbedingten Leistungsabnahme. Diese müssen Sie bei den Tätigkeiten des Beschäftigten unbedingt berücksichtigen und Anpassungen bzw. alternative Abläufe vorsehen.

Auch präventive Programme zur Gesundheitsförderung können sinnvoll sein, um organisatorisch altersbedingten Problemen entgegenzuwirken.

Weiterbildung auch für ältere Mitarbeiter unerlässlich

Nicht nur für Berufsanfänger, auch für erfahrene Beschäftigte sollten Sie regelmäßige Weiterbildungsmaßnahmen vorsehen. Um mit den Veränderungen der Branche mithalten zu können, ist ein lebenslanges Lernen somit auf jeden Fall anzuzielen.

Schichtbetrieb anpassen

Wechsel von Früh- auf Spätschichten, lange Arbeitszeiten durch Schichtfolgen – jüngere Mitarbeiter können dies körperlich wesentlich besser verkraften als ihre älteren Kollegen.

Bereits bei der Erstellung der Schichtpläne sollten somit die gesundheitlichen Bedürfnisse der Älteren berücksichtigt werden und auf lange Sicht auch die Möglichkeit eines Ausscheidens aus der Schichtarbeit zugunsten der Gesundheit angeboten werden.

Thema in die Unternehmenskultur einbeziehen

Wichtig ist, dieses Thema nicht aus der Gestaltung der Unternehmenskultur auszuklammern. Sprechen Sie über Probleme, Möglichkeiten und Strategien einer alters- und alternsgerechten Arbeitsorganisation und nutzen Sie Synergien, die sich aus einem ausgewogenen und kollegialen Verhältnis zwischen jüngeren und älteren Mitarbeitern ergeben.

Beleuchtung, Lärmbelastung und Lastenhandhabung an ältere Mitarbeiter anpassen

Als Arbeitgeber sollten Sie darauf achten auch den Lichtbedarf an die Sehkraft älterer Beschäftigter anzupassen, eine gute Lesbarkeit von für die Tätigkeiten in Ihrem Betrieb nötigen Elementen zu garantieren sowie vor allem bei Bildschirmarbeiten auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter zu achten.

Auch die Lärmbelastung sollte sich am möglicherweise verminderten Hörvermögen bzw. einer erhöhten Lärmempfindlichkeit der älteren Beschäftigten orientieren. Akustische Signale müssen angepasst und jede Möglichkeit zum Schallschutz genutzt werden.

Schließlich müssen sich selbstverständlich auch alle Handhabungen von Lasten an den körperlichen Voraussetzungen, die sich im Altersprozess ändern, orientieren.

Weitere Beiträge zum Thema:

Arbeitsmittelprüfung: Die BetrSichV fordert die Prüfung auf alters- und alternsgerechte Gebrauchstauglichkeit

Arbeitshilfen zum Thema:

document CL Alters- und alternsgerechte Gestaltung (405 KB)

document Prüfung Wahrnehmung und Handhabbarkeit (134 KB)

document Prüfung Physische ergonomische Gefährdungen (108 KB)