kab | Betriebssicherheitspraxis.de - 30.03.2017

Gem. § 3 BetrSichV sind Sie verpflichtet, Gefährdungsbeurteilungen durchzuführen und zu dokumentieren. Um Ihre Gefährdungsbeurteilung richtig zu erstellen, sollten Sie nachfolgende sieben Schritte durchführen und die offiziellen Prüfkriterien und Bewertungsmaßstäbe der Aufsichtsbehörden einhalten.

Sieben Schritte

Obwohl die Gefährdungsbeurteilung zu den wichtigsten Elementen und Pflichten im Arbeitsschutz gehört, bereitet die Umsetzung und Dokumentation in der Prxis noch immer viele Probleme. Um eine strukturierte Durchführung und Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung zu gewährleisten, sollte die Gefährdungsbeurteilung nachfolgende sieben Schritte beinhalten.

1. Arbeitsbereiche und Tätigkeiten festlegen

Je nachdem, ob Sie Ihre Gefährdungsbeurteilung arbeitsbereichs- oder tätigkeitsbezogen erstellen, ist es erforderlich, zunächst alle Arbeitsbereiche bzw. Tätigkeiten systematisch zu erfassen. Einfach und schnell erledigen Sie dies mit den vorbereiteten Vorlagen zur Erfassung der Arbeitsbereiche und Tätigkeiten von Betriebssicherheitspraxis.

2. Gefährdungen ermitteln

Insbesondere, wenn noch keine Erfahrungswerte hinsichtlich der Durchführung von Gefährdungsbeurteilungen vorliegen, besteht bei der Ermittlung von Gefährdungen das Risiko, dass nur die offensichtlichen Gefährdungen erfasst werden und die weniger offensichtlichen „unter den Tisch fallen“.

Es empfiehlt sich deshalb, sich zur Ermittlung der Gefährdungen an der einsatzfertigen Checkliste zur Erfassung von Gefährdungen sowie an den einzelnen Gefährdungskatalogen von Betriebssicherheitspraxis zu orientieren und diese Schritt-für-Schritt mit den eigenen betrieblichen Gegebenheiten abzugleichen:

document Gefährdungen ermitteln (448 KB)

document Prüfung Mechanische Gefährdungen (1.76 MB)

document Prüfung Gefährdungen in der Arbeitsumgebung (822 KB)

document Prüfung Elektrische Gefährdungen (465 KB)

document Prüfung Brand und Explosionsgefährdungen (1.93 MB)

document Prüfung Physische ergonomische Gefährdungen (108 KB)

document Prüfung Thermische Gefährdungen (913 KB)

document Prüfung Psychische Gefährdungen (166 KB)

document Prüfung Sonstige Gefährdungen (1.08 MB)

document Prüfung Biologische Gefährdungen (433 KB)

document Prüfung Wahrnehmung und Handhabbarkeit (134 KB)

document Prüfung Stoffliche Gefährdungen (999 KB)

document Prüfung Physikalische Gefährdungen (986 KB)

3. Gefährdungen beurteilen

Die Beurteilung der Gefährdungen ergibt sich aus deren Bewertung und einer Abwägung der Eintrittswahrscheinlichkeit und der Folgenschwere einer jeden Gefährdung. Der niedirgste Bewertung sollte dem alltäglichen Lebensrisiko entsprechen, sodass im Allgemeinen keine weiteren Maßnahmen nötig sind. Für sehr niedrige Gefahrenbewertungen können einfache Schutzmaßnahmen, z. B. Hinweise oder Unterweisung, ausreichend sein. Mit steigender Gefahrenbewertung steigen auch die Anforderungen an die Schutzmaßnahmen. Der höchste Gefahrenbewertung sollte dabei ein Risiko entsprechen, bei dem auch unter Anwendung von Schutzmaßnehmen keine ausreichende Sicherheit mehr gewährleistet werden kann.

4. Schutzmaßnahmen festlegen und durchführen

Sofern Gefährdungen nicht ausgeschlossen werden können, sind die Schutzmaßnahmen i. S. d. TOP-Hierarchie auszuwählen und durchzuführen: Technische Schutzmaßnahmen (z. B. Einbau einer Schutzeinrichtung an der Maschine)  haben Vorrang vor organisatorischen Maßnahmen (z. B. einzuhaltende Abstände)  und diese wiederum vor personenbezogenen (z. B. Persönliche Schutzausrüstung).

Mit den einzelnen Schutzmaßnahmen sollte auch immer festgelegt werden, wer bis wann welche Maßnahme und wer an welchem Datum die Wirksamkeitskontrolle durchzuführen hat.

5. Wirksamkeit der Maßnahmen überprüfen

Den vorläufigen Abschluss der Gefährdungsbeurteilung bildet die Wirksamkeitskontrolle. Wird im Rahmen der Kontrolle festgestellt, dass die gewählten Maßnahmen nicht ausreichend bzw. wirksam sind (z. B. nicht akzeptierte Persönliche Schutzausrüstung), oder treten Änderungen im Arbeitsablauf auf, ist die Gefährdungsbeurteilung zu überarbeiten.

6. Dokumentation

Die Ergebnisse der Gefährdungsbeurteilung sind gem. § 3 Abs. 8 BetrSichV zu dokumentieren. Dabei sind mindestens anzugeben:

  • die Gefährdungen, die bei der Verwendung der Arbeitsmittel auftreten,
  • die zu ergreifenden Schutzmaßnahmen,
  • wie die Anforderungen dieser Verordnung eingehalten werden, wenn von den nach § 21 Absatz 4 Nummer 1 bekannt gegebenen Regeln und Erkenntnissen abgewichen wird,
  • Art und Umfang der erforderlichen Prüfungen sowie die Fristen der wiederkehrenden Prüfungen und
  • das Ergebnis der Überprüfung der Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen nach § 4 Absatz 5.

Die Dokumentation kann auch in elektronischer Form vorgenommen werden. Eine strukturierte, einsatzfertige Vorlage zur Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung von Betriebssicherheitspraxis finden Sie hier:

document Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung (3.52 MB)

7. Gefährdungsbeurteilung fortschreiben

Wenn neue Gefährdungen in Ihrer Organisation aufgetreten sind oder auftreten können oder sich Arbeitsabläufe ändern, müssen Sie Ihre Gefährdungsbeurteilung aktualisieren. Schreiben Sie Ihre bestehende Dokumentation fort und konzentrieren Sie sich bei der Fortschreibung auf alle Veränderungen und Gefährdungen, die noch nicht beseitigt wurden. Eine vollständige Wiederholung ist nicht notwendig.

Prüfkriterien und Bewertungsmaßstäbe der Aufsichtsbehörden

In Verbindung mit den sieben Schritten sollten zudem die Prüfkriterien und Bewertungsmaßstäbe der Aufsichtsbehörden zur Gefährdungsbeurteilung nicht außer Acht gelassen werden. Die Prüfkriterien und Bewertungsmaßstäbe wurden in den offiziellen "Leitlinien zur Gefährdungsbeurteilung und Dokumentation" erarbeitet und zusammengefasst. Sie dienen der Festlegung eines abgestimmten Vorgehens der für den Arbeitsschutz zuständigen Landesbehörden und der Unfallversicherungsträger bei der Beratung und Überwachung der Betriebe.

Prüfkriterien und Bewertungsmaßstäbe der Aufsichtsbehörden zur Gefährdungsbeurteilung

Die praktische Prüfliste "Prüfkriterien und Bewertungsmaßstäbe der Aufsichtsbehörden zur Gefährdungsbeurteilung" fasst die Prüfkriterien und Bewertungsmaßstäbe zur Gefährdungsbeurteilung der "Leitlinien zur Gefährdungsbeurteilung" zusammen und dient Ihnen als Selbstkontrolle, um bei Erfüllung den Kontrollen von Aufsichtsbehörden gelassen entgegen sehen zu können.