kab | Betriebssicherheitspraxis.de - 16.01.2017

Sinn und Zweck von Schutzeinrichtungen ist es, Arbeitsunfälle zu vermeiden. Oft werden Schutzeinrichtungen ausgerechnet durch diejenigen Mitarbeiter manipuliert, für dessen Schutz sie bestimmt sind.  Sie als Arbeitgeber stehen in der Pflicht, Manipulationen an Schutzeinrichtungen wirksam zu verhindern.

Arbeitgeberpflicht

Manipulationen von Schutzeinrichtungen gehören nicht verboten, sondern sie sind es. Als Arbeitgeber dürfen Sie manipulierte Schutzeinrichtungen daher auf keinen Fall ignorieren, sondern sind im Rahmen Ihrer Sorgfalts- und Arbeitsschutzpflichten angehalten, diese aktiv zu unterbinden.

Manipulation ist kein Kavaliersdelikt

Es wird geschätzt, dass in deutschen Betrieben werden etwa ein Drittel aller Maschinen-Schutzeinrichtungen von Beschäftigten außer Kraft gesetzt werden. Häufig werden Manipulationen aus Gründen der Zeitersparnis vorgenommen und in dem einen oder anderen Fall stillschweigend geduldet. Manipulationen sind jedoch kein Kavaliersdelikt und  führen in der Praxis nicht nur zu finanziellen Einbußen durch Stillstand und Produktionsausfällen sondern auch zu schweren und tödlichen Unfällen.

Wer Schutzeinrichtungen an Maschinen manipuliert oder duldet, schafft damit automatisch ein hohes Risikopotenzial für sich und alle betreffenden Mitarbeiter.

Die 5 häufigsten Manipulationen

Viele Schutzeinrichtungen werden manipuliert, um Zeit zu sparen. Dies betrifft vor allem Verkleidungen, Umzäunungen, Sicherheitsschalter oder Lichtschranken.

Folgende Manipulationen werden in der Praxis am häufigsten festgestellt (Quelle: BGHW):

  1. Demontage von Schutzgittern und Schutzblechen
  2. Überbrücken von Positionsschaltern durch Festbinden, Abschrauben oder sogenannte „freie Betätiger“
  3. Einschließen einer Person in den Maschinenraum (bei größeren und verketteten Anlagen), während eine zweite von außerhalb den Prozess startet
  4. Überklettern von Schutzeinrichtungen mit Leitern etc.
  5. Änderungen in der Maschinensteuerung

Was Arbeitgeber gegen Manipulationen tun können

Haben Sie festgestellt, dass in Ihrem Betrieb Schutzeinrichtungen manipuliert werden oder manipuliert sind, müssen Sie handeln!

Schritt 1: Analyse der Ist-Situation

Betrachten Sie die Maschine, die manipuliert wird und finden Sie heraus,

  • was manipuliert wird (z. B. Türschalter)
  • wie manipuliert wird (z. B. durch Überbrücken)
  • bei welcher Tätigkeit manipuliert wird (z. B. Reinigung der Maschine)
  • wer manipuliert (z. B. Bediener)

Schritt 2: Ursachenermittlung

Packen Sie die Manipulation an der Wurzel und finden Sie die Anreize und Motivation der Manipulationshandlung heraus. Warum wurde manipuliert? Finden Sie die Ursache heraus, warum die Schutzeinrichtung manipuliert wurde und welche Vorteile damit erzielt werden sollen, z. B.:

  • Zeitersparnis
  • Höhere Produktivität
  • Arbeitserleichterung
  • Bequemlichkeit
  • etc.

Schritt 3: Maßnahmen festlegen

Nach dem TOP-Prinzip müssen Maßnahmen ergriffen werden, um der Manipulation von Schutzeinrichtungen wirksam entgegenzutreten und zu beseitigen. Dabei haben technische Maßnahmen Vorrang vor organisatorischen und personenbezogenen Maßnahmen.

Prüfen Sie daher, inwieweit sich technische Maßnahmen dazu eignen, die Manipulationen zu verhindern. Gehen Sie dabei nach der 3-Stufen-Methode vor:

  1. verhindern (z. B. durch andere Schutzeinrichtung)
  2. erschweren (z. B. durch codierte Schutzschalter)
  3. erkennen (z. B. intelligente Steuerung)

Können Manipulationen durch technische Maßnahmen nicht erfolgreich verhindert werden, sind organisatorische Maßnahmen zu treffen, z. B:

  • Klar ausgesprochenes Verbot der Manipulation
  • Aufnahme des Manipulationsverbotes in die Unternehmensleitlinien
  • Sanktionierung von Manipulationen
  • Veränderung des Prozessablaufs (z. B. durch Austausch der Maschine)

Technische und organisatorische Maßnahmen sollten immer durch personenbezogene Maßnahmen begleitet werden, u. a. durch

  • Unterweisungen
  • Schulungen

Schritt 4: Maßnahmen umsetzen

In keinem Fall reicht es aus, nur Maßnahmen festzulegen und umzusetzen. Eine Akzeptanz der beschlossenen Maßnahmen wird immer nur unter Einbeziehung der betroffenen Mitarbeiter erreicht werden können. Jedes Sicherheitskonzept bedarf daher neben der technisch korrekten Ausführung auch der Akzeptanz der an den Maschinen arbeitenden Personen. Es bietet sich daher an, rechtzeitig vor dem Beginn der Umsetzung der festgelegten Maßnahmen mit den betroffenen Mitarbeitern zusammen Strategien zu entwickeln, so dass im späteren Betrieb der Anreiz der Manipulation der Schutzeinrichtungen weitestgehend minimiert wird.

Schritt 5: Wirksamkeit der Maßnahmen überprüfen

Haben die getroffenen Maßnahmen ihr Ziel erreicht? Dies gilt es in der Wirksamkeitskontrolle festzustellen, z. B. durch

  • sofortige Wirksamkeitskontrollen
  • Stichprobenkontrollen
  • langfristig sich wiederholende Prüfungen

Manipulationen nicht stillschweigend dulden!

Keinesfalls dürfen Manipulationen von Schutzeinrichtungen als Alltagserscheinung toleriert werden. Auch gehören Manipulationen nicht lediglich verboten, sondern sie sind es! Ihre Aufgabe als Arbeitgeber ist es, jede Form der Manipulation aktiv zu unterbinden und mit Hilfe der Ursachenermittlung und Umsetzung von Maßnahmen für eine Verbesserung und Erhöhung der Sicherheit in Ihrem Betrieb zu sorgen.

Weitere Vorlagen und Arbeitshilfen zum Thema:

document Maßnahmen gegen Manipulation von Schutzeinrichtungen (283 KB)

document Anforderungen an Schutzeinrichtungen bei Maschinen (160 KB)