kab | Betriebssicherheitspraxis.de - 24.01.2017

Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung muss jeder Arbeitgeber die bei der Verwendung von Arbeitsmitteln entstehenden Gefährdungen beurteilen und entsprechende Schutzmaßnahmen einleiten. Dies gilt auch für die durch Arbeitsmittel verursachten Belastungen durch Lärm und Vibrationen.

Pflicht zur Gefährdungsbeurteilung

Die Pflicht zur Beurteilung der Gefährdungen bei der Verwendung von Arbeitsmitteln ergibt sich aus § 3 BetrSichV sowie hinsichtlich von Gefährdungen durch Lärm und Vibrationen zusätzlich aus der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung (LärmVibrationsArbSchV).

Demnach müssen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung die Gefährdungen durch Lärm oder Vibrationen durch fachkundige Personen voneinander unabhängig ermittelt, beurteilet und dokumentiert werden.

Zur Beurteilung, ob Lärm oder Vibrationsbelastungen eine Gefährdung darstellen, gibt die Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung konkrete Auslösewerte vor. Sobald diese erreicht oder überschritten werden, sind konkrete Präventionsmaßnahmen zur Abwendung von Schäden zu ergreifen.

Ablauf der Gefährdungsbeurteilung

Schritt 1: Gefährdungen ermitteln

Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung ist zunächst festzustellen, ob Gefährdungen der Beschäftigten durch Lärm oder Vibrationen vorliegen oder Beschäftigte Gefährdungen durch Lärm oder Vibrationen ausgesetzt sein können.

Schritt 2: Gefährdungen beurteilen

Sollte dies der Fall sein, sind alle hiervon ausgehenden Gefährdungen zu beurteilen. Hierzu sind alle auftretenden Expositionen am Arbeitsplatz zu ermitteln und anhand der Vorgaben der LärmVibrationsArbSchV zu bewerten. Dabei muss sichergestellt werden, dass die in der einschlägigen Verordnung vorgegebenen Auslöse- und Expositionswerte nicht überschritten werden.

Sofern sich dies nicht sicher ermitteln lässt, ist der Umfang der Exposition letztendlich durch entsprechende Messungen festzustellen.

Auslöse- und Expositionsgrenzwert für Lärm

Für die Beurteilung der Lärmexposition wird der Tages-Lärmexpositionspegel LEX,8h herangezogen. Der Tages-Lärmexpositionspegel LEX,8h ist der über die Zeit gemittelte Lärmexpositionspegel, bezogen auf eine Achtstundenschicht und umfasst alle am Arbeitsplatz auftretenden Schallereignisse.

Bei der Exposition der Beschäftigten gegenüber Lärm sind in der Gefährdungsbeurteilung untere und obere Auslösewerte zu berücksichtigen. Bezogen auf den Tages-Lärmexpositionspegel und den Spitzenschalldruckpegel betragen diese:

Obere Auslösewerte: LEX,8h = 85 dB(A) beziehungsweise LpC,peak = 137 dB(C).
Untere Auslösewerte: LEX,8h = 80 dB(A) beziehungsweise LpC,peak = 135 dB(C).

Auslöse- und Expositionsgrenzwert für Vibrationen

Bei der Beurteilung der Vibrationsexposition werden „Hand-Arm-Vibrationen“ und „Ganzkörper-Vibrationen“ unterschieden. Der Tages-Vibrationsexpositionswert A(8) ist der über die Zeit gemittelte Vibrationsexpositionswert bezogen auf eine Achtstundenschicht.

Für Hand-Arm-Vibrationen beträgt der Expositionsgrenzwert 5 m/s2 und der Auslösewert 2,5 m/s2.
Für Ganzkörper-Vibrationen beträgt der Expositionsgrenzwert 1,15 m/s² in X- und Y-Richtung und A(8) = 0,8 m/s² in Z-Richtung und der Auslösewert A(8) = 0,5 m/s².

Schritt 3: Schutzmaßnahmen festlegen

Bei vorliegenden Gefährdungen durch Lärm- und Vibrationsexposition sind Schutzmaßnahmen entsprechend dem Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung festzulegen. Dabei ist zu beachten, dass technische Maßnahmen stets Vorrang vor organisatorischen Maßnahmen haben, d. h. die Lärmemissionen bzw. Vibrationen nach Möglichkeit als Erstes am Entstehungsort verhindert bzw. so weit wie möglich verringert werden müssen.

Maßnahmen zur Vermeidung und Verringerung von Lärm- und/oder Vibrationsbelastungen können z. B. sein:

  • Anwendung alternativer Arbeitsverfahren ohne oder mit geringerer Lärm bzw. Vibrationsbelastung
  • Auswahl besser geeigneter Arbeitsmittel
  • Bereitstellung von Zusatzausrüstungen
  • angemessene Wartung und Pflege der Arbeitsmittel
  • Verbesserung der Gestaltung der Arbeitsplätze, Arbeitsstätten und Arbeitsorganisation
  • angemessene Information und Schulung der Beschäftigten
  • Begrenzung der Dauer und der Intensität der Exposition

Schritt 4: Schutzmaßnahmen kontrollieren

Werden die unteren Auslösewerte trotz technischer und organisatorischer Maßnahmen weiter erreicht oder überschritten, müssen die Beschäftigten über das Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung unterrichtet und hinsichtlich der Gefährdungen und Schutzmaßnahmen unterwiesen werden. Zudem ist eine allgemeine arbeitsmedizinische Beratung sicherzustellen und vor Aufnahme der Tätigkeit und in regelmäßigen Abständen eine entsprechende arbeitsmedizinische Angebots-Vorsorgeuntersuchung gem. ArbMedVV anzubieten. Im Fall von Lärm ist allen betroffenen Mitarbeitern zusätzlich geeignete persönliche Schutzausrüstung in Form von Gehörschutz und bei Vibrationen in Form besonderer Antivibrationshandschuhe zur Verfügung zu stellen.

Bei Überschreiten der oberen Auslöse-/Expositionsgrenzwerte sind unverzüglich die Gründe zu ermitteln und weitere Maßnahmen zu ergreifen, um die Exposition auf einen Wert unterhalb der Expositionsgrenzwerte zu senken und ein erneutes Überschreiten der Grenzwerte zu verhindern. Zusätzlich zu einer allgemeine arbeitsmedizinischen Beratung ist vor Aufnahme der Tätigkeit und in regelmäßigen Abständen eine arbeitsmedizinische Pflicht-Vorsorgeuntersuchung gem. ArbMedVV durchzuführen. Lärmbereiche sind zu kennzeichnen und der Zutritt auf ein Minimum zu beschränken.

Arbeitshilfen für die Gefährdungsbeurteilung bei Lärm und Vibrationen

Betriebssicherheitspraxis stellt für die Durchführung der Gefährdungsbeurteilung von Lärm und von Vibrationen je eine praktische Checkliste zur Verfügung, anhand derer Sie Ihre Gefährdungsbeurteilung strukturiert vornehmen können.

Weitere Meldungen zum Thema:

Gefährdungsbeurteilung richtig dokumentieren

Die Neuregelungen der BetrSichV zur Gefährdungsbeurteilung

Weitere Vorlagen und Arbeitshilfen zum Thema:

document Ablaufschritte der Gefährdungsbeurteilung bei Lärmbelastungen (285 KB)

document Ablaufschritte der Gefährdungsbeurteilung bei Vibrationsbelastungen (267 KB)

document Gefährdungen ermitteln (448 KB)

document Gefährdungen bewerten (407 KB)

document Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung (3.52 MB)