kab | Betriebssicherheitspraxis.de - 22.08.2016

Jeder 5. Betreiber verstößt gem. Anlagen-Sicherheitsreport vom Verband der TÜV e.V. (VdTÜV) gegen die Aufzugsprüf- sowie Prüfplakettenpflicht der neuen BetrSichV. Die Einhaltung ist jedoch gesetzlich verpflichtend und wird spätestens im Ernstfall überprüft.

Prüfpflicht von Aufzügen

Aufzugsanlagen gehören im Sinne der BetrSichV  zu den überwachungsbedürftigen Anlagen  und sind in Anhang 2, Abschnitt 2 BetrSichV geregelt. Gem. Anhang 2, Abschnitt 2, Nr. 2 der BetrSichV sind Aufzugsanlagen von zugelassenen Überwachungsstellen vor der erstmaligen Inbetriebnahme, nach prüfpflichtigen Änderungen sowie regelmäßig wiederkehrend zu prüfen.

Plakettenpflicht an Aufzugsanlagen

Der seit Juni 2015 neue § 17 Abs. 2 BetrSichV sieht zudem eine Prüfplakettenpflicht für Aufzüge verpflichtend vor. Demnach muss jede Kabine einer Aufzugsanlage im Sinne der BetrSichV unberührt der bisherigen Bestimmungen über Prüfaufzeichnungen und Prüfbescheinigungen nach Abs. 1 des § 17 BetrSichV zusätzlich eine Kennzeichnung, z. B. in Form einer Prüfplakette, erhalten.

Diese Kennzeichnung muss deutlich sichtbar und dauerhaft angebracht sein und aus Ihr müssen Monat und Jahr der nächsten wiederkehrenden Prüfung sowie die festlegende Überwachungsstelle angegeben sein.

Hohe Mängelquote bei Aufzügen

In der Praxis weisen gem. Anlagen-Sicherheitsreport fast die Hälfte aller in 2015 geprüften Aufzugsanlagen Mängel auf. Bei weiteren 13% und damit bei über 70.000 Aufzugsanlagen wurden zudem stark sicherheitstechnisch bedenkliche Mängel festgestellt.

Haftung und Verantwortung

Für Unfälle, die aufgrund von Mängeln als Folge unzureichender oder unterlassener Prüfungen zurückzuführen sind, trägt der Betreiber der Aufzugsanlage die Verantwortung für die Sicherheit.

Daher sind alle Betreiber von Aufzugsanlagen dazu verpflichtet, regelmäßig eine unabhängige zentrale Überwachungsstelle (ZÜS) mit der technischen Prüfung zu beauftragen. Die dafür notwendigen Regelungen wurden vom Staat über die BetrSichV erlassen, der zudem auch die Aufsicht über die Überwachungsstellen ausübt.

Pflicht zur Erstellung und Aushang eines Notfallplans

Seit dem 01. Juni 2016 muss zusätzlich zur Prüfpflicht und der Pflicht zur Prüfplakette für jeden Aufzug ein Notfallplan vorhanden sein. Eine Vorlage für einen solchen Notfallplans sowie eine Ausfüllhilfe finden Sie hier.

Pflicht zum Zwei-Wege-Kommunikationssystem

Ab 2021 wird ein Zwei-Wege-Kommunikationssystem bei Bestandsaufzügen Pflicht! Alle Aufzüge, die vor dem Inkrafttreten der neu geregelten Betriebssicherheitsverordnung (01.06.2015) in Betrieb genommen wurden, müssen dann mit einem Zwei-Wege-Kommunikationssystem ausgestattet werden, welches eine Sprach- und Hörverbindung mit einer jederzeit besetzten Notdienststelle ermöglicht.

Weitere Meldungen zum Thema:

Fristablauf: Notfallplan für bestehende Aufzugsanlagen wird Pflicht!

Weitere Vorlagen und Arbeitshilfen zum Thema:

document Zugelassene Überwachungsstellen (ZÜS) (497 KB)

document Erstellung eines Notfallplans für Aufzüge (307 KB)

document Sicherheitsaushang: Notfallplan für Aufzüge (212 KB)