kab | Betriebssicherheitspraxis.de - 01.08.2016

Fast ein Viertel aller Arbeitsunfähigkeitstage sind Folge von Muskel-Skelett-Erkrankungen, die wiederum Folge von Belastungen am Arbeitsplatz sind. Die Arbeitsausführung und das Arbeiten mit Arbeitsmitteln führen häufig zu einseitigen und extremen Körperbewegungen und Körperhaltungen, die von Ihnen in vielen Fällen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung als Gefährdungen erkannt, eingeschätzt und minimiert werden müssen.

Gefährdungsbeurteilung

Beim Arbeiten mit Arbeitsmitteln kommt es zu vielen Situationen, in denen der Rücken und die Gelenke einseitigen und z. T. extremen Belastungen ausgesetzt werden. Liegen diese Belastungen dauerhaft und mittel- bis langfristig vor, können bleibende Gesundheitsschäden entstehen. In der Praxis gilt es daher, sich im Rahmen der eigenen Gefährdungsbeurteilung zunächst einen Überblick über die im Betrieb vorhandenen  Gefährdungen zu verschaffen, um im Anschluss eine Bewertung dieser Gefährdungen vorzunehmen und konkrete Schutzmaßnahmen einzuleiten.

Belastungsfaktoren

Bei langjährigen sehr hohen Belastungen, wie z. B. beim Heben und Tragen von Lasten, kann es arbeitsbedingt zu einer Schädigung der Wirbelsäule und Bandscheiben sowie der Gelenke kommen. Die Faktoren der Schwere der Belastung, der auftretenden Dauer der Belastung sowie der subjektiven Verfassung der belasteten Person sind dabei die entscheidenden Faktoren für eine Einstufung, ob eine einwirkende Belastung eine Gefährdung und damit zu bleibenden Gesundheitsschäden führen kann.

Bestimmte Arbeitsabläufe und Arbeitsplätze sowie das Arbeiten mit bestimmten Arbeitsmitteln können vor allem dann zu körperlichen Belastungen führen, wenn diese u. a. von nachfolgenden Tätigkeiten geprägt sind. In diesen Fällen sollte die Gefährdungsbeurteilung die entsprechenden Gefährdungen erfassen, bewerten und dazu führen, dass diese Gefährdungen durch Schutzmaßnahmen weitestgehend minimiert werden.

Tätigkeiten mit erzwungener Körperhaltung

Hohe Belastungen entstehen vor allem dann, wenn Mitarbeiter  bei der Arbeitsausführung

  • über längere Zeit in gebeugter Körperhaltung arbeiten und ggfls. zusätzliche Lasten (z. B. Arbeitsmittel o. ä.) tragen
  • andauernde Arbeiten ausführen, bei denen sich die Arme über dem Schulterniveau befinden
  • Arbeiten im Knien oder Hocken ausführen
  • über längere Zeit eine fixierte Körperhaltung ohne Haltungswechsel einnehmen.

Tätigkeiten mit erhöhter Kraftanstrengung

Tätigkeiten, die mit erhöhter Kraftanstrengung erledigt werden müssen (nicht nur aber vielfach im Baubereich) belasten den gesamten Körper und erfordern eine hohe körperliche Belastungsfähigkeit. Belastende Kraftanstrengungen können dabei bereits vorliegen, wenn

  • Arbeitsmittel durch ständiges Halten oder Drücken bedient werden müssen und dabei vorzugsweise Arme, Schultern und Rücken belasten
  • die Hand als Werkzeug eingesetzt wird, z. B. beim händischen Hämmern, Drehen, Drücken, Klopfen

Tätigkeiten mit manueller Handhabung von Lasten

Beim häufigen Handhaben von Lasten in Form von Heben, Tragen, Ziehen und Schieben, werden insbesondere die Rückenmuskulatur, die Bandscheiben, der Bandapparat und die Wirbelkörper sowie die Muskeln des Nackens, der Arme und Schultern sowie Beine stark beansprucht und belastet.

Tätigkeiten mit repetitiven (sich ständig wiederholenden) hohen Handhabungsfrequenzen

Bestehen Arbeitsabläufe eines Mitarbeiters darin, ständig wiederholende Arbeitsschritte in einer hohen Frequenz auszuführen (z. B. beim Arbeiten am Fließband), können Muskeln und Sehnen schnell überansprucht werden und zu Schmerzen und dauerhaften Erkrankungen führen.

Tätigkeiten bei Lärm und Vibrationen

Tätigkeiten mit Arbeitsmitteln, die Hand-, Arm- und Ganzkörpervibrationen mit sich bringen oder unter Lärm durchgeführt werden, belasten den gesamten Körper und erfordern die Einhaltung spezieller Schutzmaßnahmen der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung.

Vorlage für die Gefährdungsbeurteilung

Neue Vorlagen und Arbeitshilfen zum Thema:

document Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung (3.52 MB)

document Prüfung Physische ergonomische Gefährdungen (108 KB)

document Gefährdungsbeurteilung für Arbeitsplätze: Körperliche Belastungen (488 KB)