kab | Betriebssicherheitspraxis.de - 23.06.2016

Die Praxis zeigt, dass bereits durch Sichtprüfungen ca. 80% der festgestellten Mängel elektrischer Arbeitsmittel festgestellt werden können. Nicht zuletzt aus diesem Grund, verpflichtet die BetrSichV i. V. m. TRBS 1201 dazu, dass Arbeitsmittel vor ihrer jeweiligen Verwendung durch Sichtprüfung und erforderlichenfalls durch eine Funktionskontrolle auf offensichtliche Mängel zu kontrollieren sind.

Welche Prüfpflicht besteht?

Neben der gesetzlich vorgeschriebenen regelmäßig wiederkehrenden, messtechnischen Prüfung elektrischer Arbeitsmittel, welche ausschließlich nur durch hierzu befähigte Personen durchgeführt werden dürfen, sind auch die Schutz- und Sicherheitseinrichtungen einer regelmäßigen Sichtprüfung und Funktionskontrolle zu unterziehen.

Was ist Sinn und Zweck von Sichtprüfungen und Funktionskontrollen?

Sichtprüfungen und Funktionskontrollen dienen dazu, sicherstellen, dass Arbeitsmittel sowie Schutz- und Sicherheitseinrichtungen augenscheinlich vollständig und funktionsfähig sind.

Wann sind Sichtprüfungen und Funktionskontrollen durchzuführen?

Sichtprüfungen und Inaugenscheinnahmen für elektrische Arbeitsmittel sollten in der Regel vor jeder Verwendung, d. h. mindestens arbeitstäglich unmittelbar durch den Bediener des Arbeitsmittels durchgeführt werden. 
Für die Prüfungen muss der Arbeitgeber die notwendigen Voraussetzungen an das Prüfpersonal gem. TRBS 1203 ermitteln und auf dieser Grundlage geeignete Personen mit der Durchführung der Prüfungen beauftragen.

Was ist in die Sichtprüfung einzubeziehen?

Grundsätzlich ist mit der Sichtprüfung und der Funktionskontrolle die Vollständigkeit und Funktionsfähigkeit des elektrischen Arbeitsmittels festzustellen. Dabei sind die jeweiligen, konkreten Verwendungsbedingungen, insbesondere auch die Arbeitsumgebung und die Arbeitsgegenstände, zu berücksichtigen. 

Netzstecker und Zuleitung

Bei der Sichtprüfung elektrischer Arbeitsmittel werden neben dem Gehäuse auch die Zuleitung und die Steckvorrichtungen auf äußerlich erkennbare Mängel kontrolliert. Dabei sollte grundsätzlich mit dem Netzstecker begonnen werden, damit sichergestellt ist, dass kein Gerät in die Hände genommen wird, welches eventuell noch an Netzspannung angeschlossen ist. Hierdurch könnten sich ansonsten Gefährdungen durch Körperdurchströmungen oder das unbeabsichtigte Ingangsetzen von Arbeitsmitteln ergeben.

Gehäuse und Anbauteile

Im Rahmen der Sichtprüfung und Funktionskontrolle ist nicht nur auf sichtbare elektrotechnische Mängel zu achten, sondern auch darauf, ob ggf. nichtelektrische, jedoch sicherheitsrelevante Teile (z. B. Abdeckungen, Anbauteile) vorhanden und funktionstüchtig sind.

Sicherheits- und Warnhinweise

Elektrische Arbeitsmittel bringen für die sichere Verwendung oftmals Verwendungsvorschriften und die Beachtung von Warnhinweisen mit sich. Bestandteil der Sichtprüfungen sind daher auch das Vorhandensein und die Lesbarkeit von Aufschriften, die eine sichere Verwendung sicherstellen sollen.

Eignung für Verwendungszweck

Die Sichtprüfung darf sich aber nicht alleine auf den augenscheinlichen Zustand des Arbeitsmittels konzentrieren, sondern muss vielmehr immer unter Berücksichtigung des jeweiligen Verwendungszwecks und der jeweiligen Arbeitsumgebung bei der Arbeitsausführung erfolgen. Am Ende muss eine abschließende Beurteilung darüber erfolgen, ob das geprüfte Arbeitsmittel vollständig und funktionsfähig sowie für den vorgesehenen Arbeitseinsatz geeignet ist.

Was ist bei der Funktionskontrolle einzubeziehen?

Die Funktionskontrolle beschränkt sich in der Regel auf das Ein- und Ausschalten des elektrischen Arbeitsmittels und die Prüfung auf Funktionsfähigkeit Arbeitsmittels und der Schutzvorrichtungen anhand der Sinne. Dabei sollen mittels der Sinne offensichtliche Fehler festgestellt werden, z. B.:

  • Schleifgeräusche, z. B. aufgrund defekter Lager,
  • Klappergeräusche, z. B. aufgrund abgelöster Teile
  • Rauch, z. B. aufgrund schmorender Teile,
  • Bürstenfeuer, z. B. aufgrund abgenutzter Kohlebürsten
  • Schmorgerüche
  • Vibrationen, z. B. aufgrund gelockerter Teile
  • Erwärmung, z. B. durch Reibung

Wo hören Sichtprüfungen und Funktionskontrollen auf?

Sichtprüfungen und Funktionskontrollen beziehen sich auf die Prüfung augenscheinlicher, offensichtlicher Mängel. Sie hören demnach dort auf, wo das Öffnen des zu prüfenden Arbeitsmittels erforderlich ist, um  z. B. innen liegende Teile zu prüfen. Letzteres findet ausschließlich im Rahmen messtechnischer Prüfungen statt, die nur durch Elektrofachkräfte und hierzu befähigten Personen durchgeführt werden dürfen.

Was sollte bei wahrnehmbaren Mängeln getan werden?

Arbeitsmittel, bei  denen Mängel im Rahmen der Sichtprüfung und/oder der Funktionskontrolle entdeckt werden, sollten unmittelbar aus dem Verkehr gezogen und nicht mehr weiter verwendet werden (z. B. durch Übergabe an die interne/externe Instandhaltung oder Reparatur bzw. Entsorgung).  

Welche Hilfestellung zur Durchführung gibt es?

Für die Durchführung der Sichtprüfungen empfiehlt es sich, sich an eine Reihe konkret zu prüfende Punkte zu orientieren. Eine Checkliste für die Durchführung von Sichtprüfungen elektrischer Arbeitsmittel stellt dabei eine praktische Hilfestellung zur Durchführung und Dokumentation der Sichtprüfung dar.

Neue Vorlagen und Arbeitshilfen zum Thema:

document Durchführung von Sichtprüfungen für elektrische Arbeitsmittel (356 KB)