kab | Betriebssicherheitspraxis.de - 01.06.2016

Mit der in 2015 neu in Kraft getretenen neuen Betriebssicherheitsverordnung sowie der neu geregelten TRBS 2111 Teil 1 „Maßnahmen zum Schutz vor Gefährdungen beim Verwenden von mobilen Arbeitsmitteln“ sind die Vorgaben für die Sicherheit mobiler Arbeitsmittel deutlich konkretisiert worden. Erfahren Sie, welche Besonderheiten es bei der Gefährdungsbeurteilung mobiler Arbeitsmittel zu beachten gilt.

Mobile Arbeitsmittel

Gem. Anhang 1 Nr. 1 BetrSichV und TRBS 2111-1 erstreckt sich der Anwendungsbereich der Vorgaben auf mobile Arbeitsmittel und erfasst selbstfahrende (d. h. mit eigenem Antrieb) sowie nicht selbstfahrende Arbeitsmittel, wie z. B mobile Baumaschinen, mobile Krane, Flurförderzeuge, fahrbare Hubarbeitsbühnen, Regalbediengeräte, Fahrerlose Transportsysteme (FTS), gezogene oder geschobene Transportmittel, Straßen- und Schienenfahrzeuge, land- und forstwirtschaftliche Zug- und Arbeitsmaschinen, Anhängefahrzeuge etc.

Prüfung vor Inbetriebnahme

Mobile Arbeitsmittel dürfen nur in Betrieb genommen werden, wenn sie den Beschaffenheitsanforderungen gemäß § 2 und den Voraussetzungen der §§ 3 und 4 der  Maschinenverordnung (9. GPSGV) entsprechen. Ist dies nicht der Fall, müssen nicht betriebsbereit angelieferte mobile Arbeitsmittel ohne Typ-/Baumusterprüfung oder EG-Konformitätserklärung oder durch Instandhaltungs- oder Modernisierungsmaßnahmen wesentlich veränderte mobile Arbeitsmittel durch befähigte Personen nach TRBS 1203 geprüft werden.

Wiederkehrende Prüfung

Gemäß § 3 Absatz 3 BetrSichV ist jeder Arbeitgeber verpflichtet, Art, Umfang und Fristen erforderlicher Prüfungen des sicheren Zustandes der eingesetzten Arbeitsmittel im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung nach dem Arbeitsschutzgesetz zu ermitteln. Die Ergebnisse der Prüfungen müssen gemäß § 11 BetrSichV dokumentiert werden.

Für die Prüfungen muss der Arbeitgeber die notwendigen Voraussetzungen an das Prüfpersonal gem. TRBS 1203 ermitteln und auf dieser Grundlage geeignete Personen mit der Durchführung der Prüfungen beauftragen.

Sicht-/Funktionsprüfungen

Um die Verkehrs- und Betriebssicherheit sicherzustellen, werden zusätzlich zu den geforderten  Prüfungen vor Inbetriebnahme sowie wiederkehrenden Prüfungen vor jedem Arbeitsbeginn und während der Nutzung Zustandskontrollen an mobilen Arbeitsmitteln, Transporthilfsmitteln, Transportgütern, Transportwegen und Lagerflächen gefordert. Auftretende Mängel sollten dabei in ein Kontrollbuch eingetragen, gemeldet, beurteilt und behoben werden.

Gefährdungsbeurteilung

Bei der Gefährdungsbeurteilung sind die Vorgaben des Anhang 1 Nr. 1 BetrSichV sowie die Technischen Regeln zur Betriebssicherheit (TRBS) 2111 und 2111 Teil 1 zu berücksichtigen.

Bei der Gefährdungsbeurteilung sind hinsichtlich der zu beurteilenden Gefährdungen neben den Transport und Verkehrswegen insbesondere nachfolgende besondere Aspekte für mobile Arbeitsmittel zu beurteilen.

Beurteilung der Sicherheit mobiler Arbeitsmittel

Schutz vor gefährlichen Fahrbewegungen

Es sollte geprüft werden, inwieweit  örtliche Bewegungsbegrenzungen, wie Hubbegrenzungseinrichtungen, Notendhalteinrichtungen oder Nothalteinrichtungen sowie selbsttätige Bremseinrichtungen zum Schutz vor gefährlichen Fahrbewegungen vorhanden sind und eingesetzt werden.

Schutz vor ungewolltem Auffahren

Um die Folgen der Gefährdungen bei ungewollten Auffahrunfällen zu reduzieren, sollte geprüft werden, inwieweit Fußabweiser oder druckempfindliche Schutzbügel an den Rädern der mobilen Arbeitsmittel angebracht sind bzw. angebracht werden können.

Schutz vor Rückraumunfällen

Zur Vermeidung von Unfällen beim Rückwärtsfahren sollte geprüft werden, inwieweit neben Rückfahrscheinwerfern sowie akustischen und optischen Signal- und Warneinrichtungen auch Rückraumsicherungseinrichtungen angebracht sind oder gar notwendig werden. Dies können z. B. Infrarot- und Ultraschallsensoreinrichtungen aber auch TV-Rückraumüberwachungssysteme sein. 

Schutz vor Kippen oder Abstürzen

Zur Verhinderung von Kipp- und/oder Absturzunfällen, sollte das Vorhandensein oder die Notwendigkeit von Sicherheits- und Signaleinrichtungen zur Begrenzung von Neigungswinkel, Lastmoment oder Fahrgeschwindigkeit geprüft werden. Auch wäre diesbezüglich je nach Einsatzgebiet und Gefährdungen zu prüfen, inwieweit ein zusätzlicher Überrollschutz den Fahrer beim Kippen des Transportmittels schützen kann.

Schutz vor Rutschen, Stolpern, Stürzen

Mit eine der häufigsten Unfallursachen, aber oft unterschätzt und vernachlässigt wird die Beurteilung der Sicherheit der Aufstiege, Ein- und Ausstiege. Diese sollten sicher und leicht zugänglich sein. Diesbezüglich ist u. a. zu prüfen, ob

  • Trittflächen ausreichend tief und breit sowie rutschhemmend sind,
  • die erste Sprosse/Stufe maximal 0,5 m hoch ist,
  • Haltegriffe griffgünstig angebracht sind,
  • ggfls. Notaus- oder Notabstiege vorhanden sind.

Gleiches gilt nicht nur für den Auf- und Abstieg zu Arbeitsständen, sondern auch für die Arbeitsstände selbst. Hier ist bei der Gefährdungsbeurteilung darauf zu achten, dass ein sicheren Aufenthalt beim Be- und Entladen, Bedienen, Überwachen, Kontrollieren, Instandhalten gegeben ist und

  • Laufstege mindestens 0,4 m breit sind,
  • Standflächen eine Mindestfläche von 0,4 x 0,5 m haben,
  • Bodenbeläge rutschhemmend sind (möglichst R12-R13)
  • Haltegriffe oder andere Haltemöglichkeiten ausreichend vorhanden und/oder geeignete zusätzliche Hilfsmittel vorhanden sind,
  • eine ausreichende Beleuchtung (gegebenenfalls durch Zusatzbeleuchtung) auf den Arbeits- und Standflächen gegeben ist,
  • Arbeitsstände und (hochfahrbare) Arbeitsbühnen ausreichend (z. B. durch Befestigungen, Geländer, Hubbegrenzungen) gesichert sind,
  • ggfls. gesonderte Sitzplätze oder sichere Aufenthaltsorte für Beifahrer bzw. mitfahrende Person gegeben sind.

Beurteilung eines sicheren Betriebs

Schutz vor nicht bestimmungsgemäßen Einsatz

Voraussetzung für die Gewährleistung des Sicheren Betriebs mobiler Arbeitsmittel ist ihr bestimmungsgemäße Einsatz. Es sollte daher im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung u. a. geprüft werden, inwieweit Betriebsanleitungen, Vorschriften, Betriebsanweisungen sowie Instandhaltungsvorgaben vorhanden und eingehalten werden.

Außerdem sollte geprüft werden, inwieweit Betriebsanweisungen vorhanden und eingehalten werden und regelmäßige Unterweisungen der Mitarbeiter stattfinden, die u. a. folgende sicherheitsrelevante Aspekte (sofern zutreffend) sicherstellen:

  • sicheres Kuppeln von Fahrzeugen,
  • sicheres Rückwärtsfahren von Fahrzeugen,
  • sicheres Rangieren/Bewegen von Fahrzeugen,
  • sicheres Be- und Entladen.

Schutz vor nichtbefugtem Betrie

Für einen sicheren Betrieb ist zu gewährleisten, dass das Führen mobiler Arbeitsmittel nur von Personen erfolgt, die hierfür qualifiziert sind. Es ist daher im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung zu überprüfen, inwieweit geforderte bestimmte Voraussetzungen, Kenntnisse und Fähigkeiten, zum Beispiel durch eine spezielle Ausbildung (als Fahrzeugführer, Staplerfahrer, Kranfahrer) und Nachweis der Befähigung gegeben und  regelmäßige arbeitsplatz- beziehungsweise tätigkeitsbezogene Unterweisungen sowie notwendige Vorsorgeuntersuchungen eingehalten werden.

Neue Vorlagen und Arbeitshilfen zum Thema:

document Bereitstellung mobiler Arbeitsmittel (562 KB)

pdf TRBS 2111 Teil 1 (170 KB)