kab | Betriebssicherheitspraxis.de - 02.05.2016

Die Pflicht zur Erstellung von Betriebsanweisungen für Arbeitsmittel ergibt sich aus § 12 Abs. 2 BetrSichV. Demnach hat der Arbeitgeber für bestimmte Arbeitsmittel, die erstmalig verwendet werden, eine schriftliche Betriebsanweisung für die Verwendung zur Verfügung zu stellen. Für den Aufbau und die Struktur von Betriebsanweisungen gelten konkrete Anforderungen, die es zu beachten gilt.

Sinn und Zweck von Betriebsanweisungen

Betriebsanweisungen sind schriftliche, arbeitsplatz- und tätigkeitsbezogene, verbindliche Anordnungen des Arbeitgebers mit dem Ziel, Unfälle zu vermeiden. Sie müssen objekt- und adressatenbezogen sein und regeln arbeitsplatz- oder tätigkeitsbezogen ein eingegrenztes Arbeitsfeld, z. B. eine Anlage oder ein Verfahren für darin bzw. damit tätige Beschäftigte.

Sie sollen konkrete Anweisungen für den Umgang mit Betriebsmitteln und zu konkreten Abläufen sowie Anweisungen für das Verhalten im Gefahrenfall, zur Ersten Hilfe und für die Instandhaltung sowie zur sachgerechten Entsorgung beinhalten.

Pflicht zur Erstellung von Betriebsanweisungen

Die Pflicht zur Erstellung von Betriebsanweisungen für Arbeitsmittel ergibt sich aus § 12 Abs. 2 Betriebssicherheitsverordnung. Der Arbeitgeber hat erforderliche Vorkehrungen zu treffen, damit den Beschäftigten angemessene Informationen, insbesondere zu den betreffenden Gefahren, die sich aus den in ihrer unmittelbaren Arbeitsumgebung vorhandenen Arbeitsmitteln ergeben, in einer für sie verständlicher Form und Sprache zur Verfügung zu stellen.

Für Arbeitsmittel, die keine einfachen Arbeitsmittel gem. ProdSG sind, müssen Betriebsanweisungen vor der erstmaligen Verwendung erstellt werden.

Aufbau und Struktur von Betriebsanweisungen

Für den Aufbau und die Struktur von Betriebsanweisungen gelten konkrete Anforderungen, die es zu beachten gilt.Demnach sollen Betriebsanweisungen immer nur die für den konkreten Arbeitsbereich oder das konkrete Arbeitsmittel spezifischen Gefahren und Maßnahmen beinhalten. Dabei kann es sinnvoll sein, Teilbetriebsanweisungen für bestimmte Arbeits- und Tätigkeitsbereiche zu erstellen, welche Bestandteile einer Gesamtbetriebsanweisung sind.

Bei der inhaltlichen Gliederung und dem Aufbau von Betriebsanweisung sollte Sie folgende Punkte beachten:

1. Anwendungsbereich

Durch die Bezeichnung des Betriebes, des Arbeitsbereiches, der Tätigkeit oder des Arbeitsmittels ist der Anwendungsbereich zu bestimmen. Dabei sollte eine Definition z. B. des beschriebenen Arbeitsmittels vorgenommen und die Funktion, der Verwendungszweck sowie die wesentlichen Merkmale des Arbeitsmittels benannt werden.

TIPP: Informationen zum Arbeitsbereich können dem innerbetrieblichen Organisationsplan entnommen werden. Spezielle Informationen zum Arbeitsmittel sind in der Bedienungsanleitung und Produktbeschreibung des Herstellers zu finden.

2. Gefahren für Mensch und Umwelt

Hier sind die Gefahren zu beschreiben, die sich aus der Gefährdungsbeurteilung für den Einsatz des Arbeitsmittels ergeben haben. Es ist notwendig, die Unfall- und Gesundheitsgefahren möglichst konkret aufzuführen und auf typische Verletzungen beim unachtsamen Umgang mit dem Arbeitsmittel  hinzuweisen.

TIPP: Typische Gefahren können den einschlägigen berufsgenossenschaftlichen Unfallverhütungsvorschriften, Betriebsanleitungen, Gefährdungsanalysen, Nachschlagewerken und Sicherheitsdatenblättern entnommen werden.

3. Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln

Hierunter sollten alle Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln aufgeführt sein, die beim Umgang des jeweiligen Adressaten mit dem Arbeitsmittel in der jeweiligen Arbeitsumgebung zu beachten sind.

TIPP: Die erforderlichen Maßnahmen und Verhaltensregeln ergeben sich aus der Gefährdungsbeurteilung. Diesbezügliche Forderungen können aus Betriebsanleitungen sind zu übernehmen und können konkretisiert werden.

4.   Verhalten im Gefahrenfall und bei Störungen

Die im Gefahrenfall und bei Funktionsstörungen des Arbeitsmittels (z. B. Stromausfall bei Handmaschinen ohne Anlaufschutz, Auslaufen von Chemikalien) anzuwenden Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln sind aufzuführen (z. B. Notruf 112, zu verwendende Löschmittel, zusätzliche technische und persönliche Schutzmaßnahmen sowie notwendige Maßnahmen gegen Umweltgefährdungen).

Hierzu gehören insbesondere auch die erforderlichen Sofortmaßnahmen, wie z. B. das Abschalten, Sichern, Melden, aber auch die Benennung der Grenzen der eigenmächtigen Störungsbeseitigung.

5. Verhalten bei Unfällen / Erste-Hilfe

Zum Verhalten bei Unfällen gehören insbesondere die vor Ort zu leistenden Maßnahmen sowie klare Angaben, wann ein Arzt hinzuzuziehen ist und wie gegebenenfalls die Unfallstelle abgesichert werden soll. Es ist zu empfehlen, die entsprechenden Ansprechpartner und Notfall-Rufnummern hier mit anzugeben.

TIPP: Informationen zur Ersten-Hilfe befinden sich u. a. auf den betriebseigenen Pflichtaushängen „Alarmplan“ und „Erste Hilfe“.

6. Instandhaltung und Entsorgung

Bei Instandhaltungsarbeiten sind für die Durchführung bestimmter Arbeiten vielfach besondere Fachkenntnisse oder Fähigkeiten notwendig. Die notwendigen Fähigkeiten, Pflichten und Befugnisse des Adressaten sind daher konkret festzulegen. Geben Sie daher klare Anweisungen, wer im Betrieb Instandhaltungsarbeiten ausführen darf und was beim Austausch von Verschleißteilen zu beachten ist.

Bei der sachgerechten Entsorgung von Geräte- und Maschinenteilen sowie bei Wartungs- und Reparaturarbeiten anfallenden Chemikalien und Ölen ist stets anzugeben, welche Stoffe unter Beachtung welcher Verhaltensregeln wohin zu beseitigen sind. Geben Sie unbedingt Hinweise auf geeignete persönliche Schutzausrüstung, Entsorgungsbehälter, Sammelstellen, Aufsaugmittel, Reinigungsmittel und -möglichkeiten.

TIPP: Informationen zur Instandhaltung können der Bedienungsanleitung und etwaigen Wartungsplänen der Hersteller entnommen werden.

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