kab | Betriebssicherheitspraxis.de - 22.04.2016

Bei der Gefährdungsbeurteilung nach § 3 ist insbesondere die Gebrauchstauglichkeit von Arbeitsmitteln einschließlich der ergonomischen und neu: der alters- und alternsgerechten Gestaltung zu berücksichtigen. Doch was bedeutet das für die Umsetzung?

Pflicht zur Prüfung der ergonomischen, alters- und alternsgerechten Gebrauchstauglichkeit

Zwar hat auch die bisherige Betriebssicherheitsverordnung in ihrer Fassung bis 2015 bereits die Berücksichtigung der ergonomischen Zusammenhänge gefordert, jedoch ist mit der Neuregelung die Forderung neu, dass zusätzlich noch die Gebrauchstauglichkeit von Arbeitsmitteln und die alters- und alternsgerechte Gestaltung mit berücksichtigt werden müssen.

Auswirkungen auf die Prüfung und Gefährdungsbeurteilung

Die Prüfung der Gebrauchstauglichkeit von Arbeitsmitteln einschließlich der alters- und alternsgerechten Gestaltung umfasst alle Betrachtung der sicherheitsrelevanten, einschließlich der ergonomischen Zusammenhänge zwischen Arbeitsplatz, Arbeitsmittel, Arbeitsverfahren, Arbeitsorganisation, Arbeitsablauf, Arbeitszeit und Arbeitsaufgabe sowie die physischen und psychischen Belastungen der Beschäftigten, die bei der Verwendung von Arbeitsmitteln auftreten.

Diese Forderungen sind teilweise neu und waren in der vorherigen Fassung der Betriebssicherheitsverordnung nicht wirklich präsent. Mit der Neuregelung trägt der Gesetzgeber damit den Anforderungen des demografischen Wandels Rechnung.

Was gilt es zu beachten?

Mit der Gefährdungsbeurteilung ist konkret zu überprüfen, inwieweit der Arbeitsplatz altersgerecht gestaltet ist und ob die Arbeitsmittel an die Arbeitsaufgabe und den Leistungsvoraussetzungen der/des Arbeitsnehmer/s angepasst sind. Hierbei ist die individuelle psychische, medizinische und physiologische Leistungsfähigkeit des Arbeitnehmers in die Bewertung mit einzubeziehen. Dabei ist u. a. zu berücksichtigen, ob etwaige

  • nachlassende körperliche als auch geistige Prozesse,
  • nachlassende sensorische (Signale erkennen) kognitive (Entscheidungen treffen) und motorische (Reaktionen zeigen) Leistungen,
  • nachlassende Auffassungsgabe und Kombinationsfähigkeiten,
  • nachlassende Sinnesfunktionen, wie z. B. die Hör- und Sehfähigkeit sowie die Taktilität bzw. Vibrationssensibilität,
  • abnehmende feinmotorische Fähigkeiten,
  • nachlassende körperliche Kräfte und damit bis zu einem gewissen Grad die Abnahme der körperlichen Ausdauer und Belastbarkeit

Auswirkungen auf die Sicherheit der Verwendung der/des zu betrachtenden Arbeitsmittels haben.

Mit der Forderung der ergonomischen, alters- und alternsgerechten Gestaltung der Arbeitsmittel müssen somit jetzt bei der Gefährdungsbeurteilung neben der Betrachtung der Arbeitsmittel umso mehr auch die Gefährdungen und Belastungen ermittelt und bewertet werden, die sich aus den Tätigkeiten, dem Einsatzort und den individuellen Faktoren wie Alter, Geschlecht und Gesundheitszustand ergeben.

Schutzmaßnahmen

Ergibt die Prüfung und Gefährdungsbeurteilung, dass die Eignung eines Arbeitsmittels in Bezug auf die alters- und alternsgerechte Gestaltung noch nicht optimal ist, ist als nächstes zu prüfen, inwieweit diese durch zusätzliche Maßnahmen erreicht werden kann.

Solche zusätzliche Maßnahmen können z. B. sein:

  • Arbeitsmedizinische Sonderprogramme,
  • Veränderungen in der Arbeitsorganisation,
  • Erstellen altersgerechter Schichtpläne,
  • Anpassung der Arbeitszeit- und Pausengestaltung.

Neben der Gewährleistung alters- und alternsgerechter Arbeitsmittel wird es im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung und der Festlegung von Schutzmaßnahmen vor allem um Veränderungen in der Arbeitsorganisation und im Speziellen um Formen der Aufgabenverteilung bzw. Umverteilung gehen. Arbeitsaufgaben und Arbeiten mit Arbeitsmitteln sollten nach Möglichkeit so umverteilt werden, wie es die Beurteilung der individuellen Leistungsfähigkeiten der Beschäftigten erfordern.

Vorlagen und Arbeitshilfen zum Thema

document Prüfung Wahrnehmung und Handhabbarkeit (134 KB)

document Prüfung Physische ergonomische Gefährdungen (108 KB)